Historischer Verein
Stadt Neunkirchen e.V.

Historischer Verein Stadt Neunkirchen e.V.



 
Ausgrabungen und historische Funde
 
Auf den Spuren von Kelten und Römern in Fürth i. O.      2. und letzter Teil
 
  
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Bericht von Manfred Ruffing
Die Straßen wurden außer von Händlern vor allem vom römischen Heer genutzt.
Auf den Fernstraßen reiste man in Wagen, von denen es eine große Typenvielfalt gab, vom leichten Reisewagen, bis zum schweren Lastenwagen. Der verbreitetste Reise- und Lastwagen war das „Plaustrum“, ein hölzerner Kastenwagen die vier eisenbereiften Holzspeichenrädern. Aus dem germanisch-römischen Museum in Köln sehen wir hier den Nachbau dieses robusten und technisch ausgereiften Wagens, mit dem Römer des 2. Jahrhunderts Waren transportierten. Da die Fernstraße oftmals tiefe Fahrrillen aufwiesen, war die Spurweite aller Reisewagen in den meisten Provinzen einheitlich auf 1,43 m festgelegt.

Zeugnisse für einen ausgedehnten Handel gibt es für die römische Zeit in großer Zahl. Beschränkungen für den Handel eigentlich nicht. Lediglich Transportkosten können für Einschränkungen im Handel gesorgt haben.
Gallien bildete mit seinen germanischen Provinzen und Britannien und Spanien für die damaligen Verhältnisse einen Wirtschaftsraum von enormer Größe und es ist sicher kein Zufall, dass der wirtschaftliche Schwerpunkt der EU nahezu identisch ist.

Im Rheinischen Landesmuseum Trier sind Statuen aufgestellt, die auf den Handel mit Salz, Hülsenfrüchten, Gemüse, Salat und Federvieh hinweisen, aber auch ein Tuchhändler aus St. Wendel und Keramik aus unserer Gegend sind zu nennen. Der Wein kam von Westen aus der Trierer Gegend und von ­Süden aus Straßburg.

Aus der nebenstehenden Karte erkennt man, dass sich nordwestlich von Fürth am Wilpertsgalgen eine Straßenkreuzung befand. An dieser Stelle stand später im 18. Jh. an der Grenze zwischen den Herrschaften Nassau-Saarbrücken und Kur-Trier auch das ehemalige Torhaus auf der Hub. Den Verlauf der Weinstraße Nr. 2 von Straßburg nach Trier möchte ich in kurzen Zügen beschreiben: von Straßburg über Hagenau, Bitsch, Reinheim, Schwarzenacker, Altstadt-Oberbexbach sanft ansteigend zum steinernen Mann, dann sanft abfallend zum heutigen Münchwieser Friedhof, am Hang des Höcherberges vorbei nach Remmesfürth, über den Lautenbach, aufsteigend zum Pass zwischen Lautenbach und Fürth. Der Weg führte direkt an der römischen Siedlung im Lanzenthal vorbei über die heutige Straße von Lautenbach nach Fürth, überquerte die Oster am heutigen Freizeitgelände und führte durch die Siedlung Butterpfad zum Wilpertsgalgen und dann über St. Wendel, Güdesweiler, ­Otzenhausen nach Trier. An dieser römischen Straße durch Fürth wurden auch die meisten römischen Funde gemacht:
• Siedlung Lanzenthal
• Gräberfeld im Krummfeld
• Evangelisch-lutherische Kirche
• Auf dem Butterpfad
• beim Bau der Ostertalbahn

Dass auch die Kelten diesen Weg genutzt hatten, beweisen die Funde im Distrikt Burk-
hardt in Lautenbach und die Glasarmreife im Himmelwald.

Wie oben bereits erwähnt, war am Wilpertsgalgen zwischen Fürth und St. Wendel ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt größerer römischer Straßen.
• Weinstraße Nr. 2 von Straßburg nach Trier
• Querverbindung Metz – Saarbrücken – Ottweiler – Worms – Speyer
• Stichverbindung Tholey

An dieser Stelle also eine öffentliche Post- und Umspannstation annehmen zu wollen, wäre demnach gerechtfertigt.
Kleinere römische Straßen hatten nur lokale Bedeutung, sie verbanden Einzelsiedlungen miteinander und mündeten in die „diverticuli“,  die bescheidenen Landweg, ein.
So war das ganze Land von einem relativ dichten Straßennetz durchzogen. Besonders Flussübergänge und Straßenknotenpunkte wurden zum Kern größerer Siedlungen, die eine gewisse Bedeutung erlangten.

Handel und Verkehr
Trotz einer hochentwickelten Produktion war das römische Reich ein Agrarstaat. Die Mehrheit der Bevölkerung war in der Landwirtschaft tätig. Wohlstand drückte sich in erster Linie in Grundbesitz aus; dieser war auch die Grundlage für die Besteuerung. Durch neue Steuereinnahmen sollten bei Kaiser Diokletian (301 n. Chr.) die Staatseinnahmen verbessert werden und es wurde eine Lohnliste für Handwerker erstellt:
• Ein Maurer verdiente danach 50 Denar, ein Schmied 50 Denar, ein Bäcker 50 Denar,
• ein Anstreicher 60 Denar und ein Stubenmaler 150 Denar Tageslohn.
Je nach Wirtschaftsart gehörten zu einer Villa rustika bestimmte Formen von Nebengebäuden. Bei Ackerbau brauchte man Getreidespeicher, bei Viehzucht Ställe und Heuschober und bei Weinbau Kelterhäuser. In allen Fällen sind Stallungen für Gespanne anzunehmen und je nach Größe der Anlage auch Wohngebäude für Arbeiter und Saisonarbeiter. Viele Höfe hatten auch Anlagen für gewerbliche Produktion. Zur Funktionsfähigkeit des Gutsbetriebes bedurfte es einer ausreichenden Wasserversorgung. Deshalb lagen die Höfe immer an einer Quelle oder einem Bach.
  Römische Bauwerke im Raum Fürth:
• eine Begräbnisstätte im Krummfeld
• größere Siedlung Lanzenthal
• ein Gutshof „Villa rustika“ auf der Röß
• ein Heiligtum (Götzenberg)
• ein Gutshof „Villa rustika“
• bei Breitenbach

1.) Am 29. 03. 2000 berichtete die Saarbrücker Zeitung von einem römischen Gräberfeld  und Resten einer römischen Siedlung in Fürth. Im Zuge archäologischer Untersuchungen auf dem Streckenabschnitt einer künftigen Gas-Pipline wurde ein Gräberfeld mit 5 Gräbern freigelegt.
2.) In der Nähe auf der nördlichen Seite der Landstraße L 289 nach Lautenbach im Lanzental lassen nach Ansicht der Archäologen die Funde eines Brunnens und von Haushaltsgegenständen auf eine größere römische Siedlung schließen.
Die Behörde kommt in ihrer Beurteilung zu dem Schluss, dass das bis zu seiner Ausgrabung unbekannte Gräberfeld von Fürth aufgrund der individuellen Anlage der Bestattungen einen wichtigen Beitrag zur Gräberforschung im Saarland leistet.
3.) Die Aussage eines Bauern, dass er jedes Jahr beim Pflügen eines Feldes auf der Röß über Steine und Mauern wegrutsche und dass sein Großvater hier schon Mitte des 19. Jahrhunderts einen Kelch gefunden habe, führte im Jahre 1940 zu archäologischen Grabungen des Konservatoramtes Saarbrücken, durch die die Grundmauern eines Gutshofes, Villa rustika, aus dem 4. Jahrhundert teilweise freigelegt wurden, vergleichbar mit einer Villa rustika in Bollendorf/Eifel bzw. einem rekonstuierten Objekt in Hechingen/BW. Die Ausgrabung erstreckte sich über den Teil, der unter dem zur Verfügung stehenden Acker lag. Die Ruinen dehnen sich aber weiter aus und liegen noch unter zwei benachbarten Äckern. Dort müssen weitere Wohnräume, ein Bad und Wirtschaftsräume liegen. Die Hypokaustanlage des Gebäudes wurde vollständig ausgegraben.
Hypokaustum (griech. „von unten beheizt“): Römische Warmluftbeheizung von  Wasserbassins, Fußböden und Wänden. Zuerst wurden Baderäume in öffentlichen Thermen, dann von Privathäusern und militärischen Anlagen, insbesondere in nördlichen Provinzen, auf diese Weise beheizt. Gewöhnlich wurde nur ein Raum pro Haus mit einer Hypokaustanlage ausgestattet. Zwischen einem Unterboden und den von Pfeilern (50 – 120 cm hoch) getragenen eigentlichen Boden wurden vom Heizraum (praefurnium) aus die heißen Abgase eines Holz- oder Holzkohlenfeueres durchgeleitet, oft auch noch mittels vertikaler Reihen von Hohlziegeln in den Wänden hoch geführt, ehe sie durch Öffnungen ins Freie abzogen.
4.) Auf der Platt, früher Götzenberg, wurden 1909 ca. 90 Steine als Überreste eines römischen Heiligtums gefunden und ins Rheinische Landesmuseum nach Trier überführt (Trierer Jahresberichte 09/539 – 631). Es handelt sich um die Steine eines Giebelfeldes. Die übrigen Steine des Gebäudes sind vermutlich in früheren Jahrhunderten beim Bau von Häusern in Fürth oder anderen Gemeinden des Ostertals verwandt worden. Der Höhenrücken auf der Platt teilt das Tal der Oster vom Tal des Schönbachs. Er ist nach drei Seiten steil abfallend und nur von Norden her leicht ansteigend zu erreichen, also aus Richtung der römischen Gutshöfe und der römischen Siedlung.
Weitere römische Funde wurden 1938 beim Bau der Ostertalbahn und 1962 beim Bau der evangelisch-lutherischen Kirche in Fürth gefunden. Die Originalstücke befinden sich im Landesdenkmalamt in Landsweiler-Reden und teilweise im Rheinischen Landesmuseum in Trier.

Die Überreste einer weiteren römischen Villa rustica wurden am nordöstlichen Rand des fürther Bannes auf dem Gebiet der Gemeinde Breitenbach gefunden.

Auf kleineren Gehöften wurden in der Regel ca. 30 Arbeiter beschäftigt. Wenn man Handwerker und Familienangehörige hinzuzählt, kommt man locker auf die doppelte Anzahl. So kann man im Umfeld einer Villa rustika mit ca. 100 Personen rechnen.
Bei einer Siedlung im Lanzenthal und einem Gutshof auf der Röß kann man davon ausgehen, dass im Raum Fürth vor 1700 Jahren ca. 250 Personen lebten.

In unserem Raum war neben der nicht in der Agrarproduktion tätigen städtischen Bevölkerung vor allem die Armee ein bedeutender Abnehmer von Nahrungsmitteln. Allein die in Obergermanien stationierten Truppen benötigten pro Jahr 10.000 Tonnen Getreide.
Der Handel der einzelnen Gutshöfe untereinander war bestimmt durch die Einnahmen und den Gewinn aus der Ernte.
Zuerst einen Überblick der römischen Gutshöfe und römischen Siedlung vor 1700 Jahren in unserem Raum und bei unseren nächsten Nachbarn:
Der nächste Nachbar war der Gutshof auf der Röß, Gemarkung Fürth, der 1940 ausgegraben wurde.
Ca. 1,5 km von der Siedlung Lanzenthal Richtung Norden lag der schon erwähnte römischen Gutshof am Vogelsberg bei Breitenbach, der 1898 ausgegraben wurde.
Der übernächste Hof Richtung Norden lag im heutigen Bubach/Ostertal.

Aus Cüppers: Die Römer in Rheinland-Pfalz, ergeben sich darüber hinaus noch folgende Fundstellen römischer Besiedlung nördlich und nordöstlich von Fürth: Herschweiler, Brücken, Glanmünchweiler, Konken, Herchweiler, Bruchmühlbach-Miesau, Pfeffelbach, Thallichtenberg, Rutsweiler um nur einige zu nennen.

Die Abgaben aus der Bewirtschaftung der Felder wurden immer größer. So mussten der größte Teil der Ernste nach Tholey oder nach Schwarzenacker an die Legionen abgegeben werden.

Eine Blütezeit erlebte unsere Gegend wieder mit Konstantin dem Großen (306 – 337). Er hatte seinen Kaisersitz in Trier von 306 bis 316, dann verlegte er seinen gesamten Hofstaat ins Oströmische Reich nach Konstantinopel, dort regierte er nach der Schlacht bei Adrianopel als Alleinherrscher. 364 erlischt die konstantinische Dynastie.
Bis ins 4 Jahrhundert n. Chr. wurde in Fürth noch Besiedlung nachgewiesen (Wachssiegel mit christlichem Stempel).

Im Jahr 486 stoßen die Franken unter Chlodwig I. aus den südlichen Niederlanden nach Gallien vor und überrennen das römische Restreich. Die Franken geben ihren alten Götterglauben auf und werden Christen. Chlodwig lässt sich 486 in Reims taufen. Nun entstehen in unserer Gegend rund um Fürth die fränkischen Namen Frankenwald, Götzenberg, Reckelberg, Lanzenthal und Krummfeld.
 Antike Religionen und Heiligtümer
Die religiöse Entwicklung im linksrheinischen Gebiet unter römischer Herrschaft entspringt dem Zusammentreffen römischer, keltischer und germanischer Vorstellung vom 2. – 4. Jahrhundert nach Christus.
Erst mit Kaiser Konstantin verbreitete sich der christliche Glaube in unserer Region. Er regierte in Trier von 306 bis 316 n. Chr. Trier ist im 3. Jahrhundert auch Bischofssitz geworden (siehe Funde in der evangelisch-lutherische Kirche in Fürth – Wachsstempel mit christlichem Kreuz etwa aus dem 4. Jh.).
Äußere Zeichen für das Zeichen des Gelübdes, das der einzelne Ablegt, und nach Erfüllung der Bedingung durch die Gottheit in Form eines Opfers einlöst sind:
• Stiftung eines Altars
• Stiftung eines Götterbildes
• Stiftung eines Heiligtums.
Voraussetzung für die Toleranz, die der römische Staat dem Volk entgegen brachte, war die Anerkennung der römischen Götter und vor allem die geforderte Verehrung des Kaisers.
Das Heiligtum ist auch der Platz, an dem zur Erfüllung des Gelübdes die gelobten Weihedenkmäler aufgestellt werden, z.B. einzelne Schutzgötter der Familie, des Hauses oder des Ortes, gen. Laren:
• Für die Landwirtschaft und gute Ernte = Silvanus
• Eine einheimische Wasser- und Waldgottheit = Tarvos Triganos
• Himmels-, Licht- und Heilgottheit = Apollo
• Für Glück und Gesundheit= Fortuna
Sie stammen meist aus der griechischen Welt des Altertums.

Quellennachweis:
- Funde römisch: Saarl. Landesdenkmalamt
- Funde keltisch: Rheinisches Landesmuseum Trier, Jahresberichte 1904 – 1909
- Literatur: Cüppers, Die Römer in Rheinland-Pfalz
- Fotos: Joachim Culmann, Neunkirchen
   
                                                                                                                                                                                     
 
Römischer Meilenstein aus Kösching
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Glasarmreif, gefunden in der Nähe
des Wetschhauser Hofes
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Römerstraße (Querschnitt)
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Mit Steinen gepflasterte Römerstraße
(Hauptstraße nach Ostia)
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Römischer Wagen
(AKG- Images, Blidarchiv: Steffens / Bridgema)
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Keramikkollektion
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Hier stand vermutlich früher das Torhaus
auf der Hub